Verein für Geflügelzucht Osterode u. U. von 1890

Rassegeflügel als genetische Ressource

Alte Rassen, neue Chancen: Kreuzungshühner überzeugen im Praxistest

(Geflügelnews vom 26.06.2026)

Forschende aus mehreren deutschen Universitäten untersuchten, wie sich die Kreuzung alter, einheimischer – und zum Teil gefährdeter – Hühnerrassen mit modernen Linien auf Leistung, Tiergesundheit, Robustheit, Verhalten oder Anpassungsfähigkeit der Tiere auswirkt. Das Ergebnis: Die Kombination kann sich lohnen. Sowohl Ökobetriebe als auch konventionelle Geflügelhalter könnten davon profitieren. Gleichzeitig trägt sie zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei.

Forschende testen Kreuzungen aus alten Rassen und Hybridlinien

Drei Jahre lang untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Projekt „ÖkoGen“, wie sich alte einheimische Hühnerrassen mit modernen Lege- und Masthybriden kombinieren lassen. Beteiligt waren die Universitäten Bonn, Göttingen und Kassel, die Hochschule Osnabrück sowie die Institute für Nutztiergenetik in Mariensee und Immunologie des Friedrich-Loeffler-Instituts.

Im Mittelpunkt stand die Kreuzung alter, einheimischer Rassen wie Ramelsloher und Bielefelder Kennhuhn mit Elterntieren aus der Wirtschaftsgeflügelzucht. Anschließend erfolgte eine umfangreiche Charakterisierung der Tiere hinsichtlich Leistung, Tiergesundheit, Robustheit, Verhalten, Anpassungsfähigkeit und weiterer Merkmale.

Kreuzungstiere verbinden Leistung und Robustheit

Die Ergebnisse zeigen: Kreuzungen mit modernen Hybridlinien erreichen eine gute Legeleistung ohne dass sich der Kalziumhaushalt negativ veränderte. Sie hatten allerdings ein leicht erhöhtes Risiko für das Auftreten von Brustbeinfrakturen. 

Tierwohlindikatoren und Verhaltenstests zeigten für alle Reinzuchten und Kreuzungen ein hohes Tierwohlniveau; Kreuzungstiere schnitten aber besser ab. Untersuchungen unter Versuchs- und Praxisbedingungen ergaben, dass die Kreuzungen auch regionale, energiereduzierte Futtermittel gut verwerten können. Dabei war es entscheidend, die Fütterung an die Genetik und Haltungsform anzupassen. Zudem ergaben sich Hinweise auf mögliche Unterschiede bei der Toleranz gegenüber Parasitenbefall zwischen den Genotypen.

Moderne RFID- und KI-Systeme halfen dabei, Verhalten und Tierwohl genauer auszuwerten. Die Forschenden sehen darin neue Möglichkeiten, Tierwohl künftig objektiver zu erfassen und Zuchtentscheidungen gezielter zu treffen.

Die Forschenden entwickelten im Projekt zudem digitale Anwendungen zur Datenerfassung und Zuchtplanung. Insbesondere für lokale Rassen könnten diese wertvolle Werkzeuge darstellen. Simulationen zeigen, dass gezielte Zucht- und Kreuzungsprogramme mit genomischer Unterstützung zur nachhaltigen Nutzung und Erhaltung genetischer Ressourcen beitragen können.

Alte Rassen mit starkem Immunsystem

Besonders interessant waren die Ergebnisse zur Immunabwehr. Die Forschenden prüften unter anderem die Reaktion auf Impfungen gegen die Newcastle-Krankheit.

Dabei zeigten alte einheimische Rassen Vorteile bei der Immunkompetenz. Unterschiede traten bereits kurz nach dem Schlupf auf. Auch bei Influenzainfektionen zeigten die Genotypen eine unterschiedliche Widerstandsfähigkeit.

Verbraucher achten stärker auf Tierwohl und Regionalität

Sensorische Untersuchungen ergaben nur geringe Unterschiede bei Geschmack und Produktqualität im Vergleich zu Standardprodukten.

Die Vermarktungspotenziale sehen die Forschenden deshalb vor allem bei anderen Faktoren wie Biodiversitätserhalt, Regionalität, Tierwohl und Transparenz. Informationsvermittlung und Storytelling sind nach Ansicht der Wissenschaftler entscheidend für die Akzeptanz und die Zahlungsbereitschaft der Verbrauchenden. 

Nach Einschätzung des Projekts entscheiden Informationen über Herkunft und Haltung stärker über die Zahlungsbereitschaft als geschmackliche Unterschiede.

Großes Potenzial

Das Projekt „ÖkoGen“ kommt zu dem Schluss, dass alte Hühnerrassen wertvolle genetische Ressourcen für die Geflügelhaltung bleiben. Kreuzungen mit modernen Hybridlinien können Leistung, Tierwohl und Robustheit verbinden.

Voraussetzung bleibt jedoch, dass Betriebe Genetik, Haltung, Fütterung und Vermarktung konsequent aufeinander abstimmen.